Mr. KooPee Hiltunen
Director, Neogames
Das starke internationale Wachstum des Spielegeschäfts hat mehrere Ursachen. An erster Stelle ist da wohl der demographische Wandel der Verbrauchergruppen zu nennen. Laut Untersuchungen beschäftigen sich etwa 80 Prozent der unter 40-jährigen Finnen wenigstens einmal in der Woche mit digitalen Spielen; ein ähnlicher Trend ist auch in anderen Ländern zu beobachten. Ein weiterer Einflussfaktor sind die neuen Spielgeräte, -inhalte und -kanäle. Zum Beispiel die Lancierung von Nintendo Wii 2006 und des Apple iPhone brachten Auftrieb. Als dritter Wachstumsfaktor sind das Aufblühen des Spielens im Netz und des Netzvertriebs von Spielen und das dadurch möglich gewordene soziale Spielen zu nennen. Das Wachstum der Branche erklärt sich allerdings nicht allein durch die technologische Entwicklung, sondern auch dadurch, dass die Spiele gestützt auf Technologie auch inhaltlich eine Weiterentwicklung erfahren haben.
Alle diese in Gang befindlichen Wandlungen erscheinen in der Sicht der finnischen Spielebranche viel versprechend, werden sie doch die traditionelle Marschordnung verändern, die vom Standpunkt des selbständigen Spieleentwicklers nachteilige Wertekette brechen und im besten Fall auch innovationsfähige, technologisch erstklassige, flexible kleine Studios begünstigen. Und namentlich solche Studios finden sich in Finnland. Die Kardinalfrage der finnischen Spielebranche lautet: Vermag sie die gegebenen Chancen in der richtigen Weise zu nutzen? Schon heute sind Anzeichen zu erkennen, dass die traditionellen großen Player der Branche ihr Sortiment u.a. in Richtung soziale Spiele zu erweitern trachten. Vorläufig bietet der Markt noch Platz, aber nackte Tatsache ist doch, dass im Business wie am Pokertisch meistens derjenigen den Gewinn einstreicht, der über die größte Kasse verfügt. Viel Zeit zum Überlegen bleibt nicht. Die Einsätze und die Kompetenz, die die finnische Game-Branche in ihrer rund 15-jährigen Geschichte angesammelt hat, sollten nun klug und schnell ausgespielt werden.
Flankierende Unterstützung der Branche seitens der öffentlichen Hand und des Privatsektors sind zumindest für die Weiterentwicklung der Ausbildung, die Finanzierung der Eigenproduktion der Unternehmen, die Aufrechterhaltung der Forschung und die Schaffung des notwendigen Markt-know-hows erforderlich, und in dieser Beziehung tut sich in Finnland schon eine ganze Menge. Durch einen passenden Mix aus öffentlicher und privater Finanzierung kann sich die Game-Industrie zu einer noch bedeutenderen Exportbranche als bisher entwickeln; die Chancen dafür sind im Moment besser als je zuvor.