Newsletter 11/2009

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Spieleforschung wächst und interessiert

In Finnland findet sich unikate Kompetenz auf dem Gebiet der Spieleforschung. „In der Forschung im Bereich pervasiver Spiele sind wir Weltspitze“, versichert Frans Mäyrä, Professor für digitale Kultur und Spieleforschung im Game Research Lab.
Tekes Juha Suuronen

Spiele sind ein relativ junges, aber stark wachsendes Forschungsgebiet. Auch internationale Anerkennung gefundene Forschung in diesem Bereich wird in Finnland an mehreren Universitäten und Instituten betrieben. Das seit 2002 bestehende Game Research Lab ist eine an der Uni Tampere wirkende Forschungsgruppe, die die Planung und Herstellung von Spielen, das Spielen und die Entwicklung von Spielkulturen unter möglichst vielen Blickwinkeln untersucht.

Gegenwärtig laufen mehrere Forschungsprojekte. Zum Beispiel in dem von der Akademie Finnlands finanzierten Projekt „Creation of Game Cultures: The Case of Finland“ wird aus der Sicht der finnischen Gesellschaft untersucht, wie das digitale Spielen in Finnland Eingang fand und was für Spielkulturen sich in Finnland entwickelt haben.

„Wir untersuchen das Spielen als digitale Kultur- und Kunstform“, sagt Mäyrä. Global betrachtet gehören die nordischen Länder, so der Professor, zur Weltspitze was die Entwicklung moderner Spieleforschung betrifft. Finnland belegt da nach Dänemark den zweiten Platz. International bedeutsame Kompetenz findet sich in Finnland auf dem Gebiet der pervasiven Spiele und der Forschung im Bereich Spieleplanung.

Spiel oder Wirklichkeit?

Game Research Lab ist an dem EU-finanzierten Integrated Project on Pervasive Gaming (IPerG) beteiligt. Die Forschungsgruppe entwickelt u.a. sozial anpassungsfähige Spiele, in denen untersucht wird, wie sich das Spiel in die normale soziale Umgebung einfügt.

Die pervasiven Spiele bringen neue, ans alltägliche Leben gebundene Spielerfahrungen unter Einsatz von Mitteln, Sachverhalten und Menschen aus der Umgebung und eine zeitliche, örtliche und soziale Erweiterung des Spielens. Die Grenzen zwischen Spielwelt und Wirklichkeit verschwimmen, und der Spieler weiß nicht immer unbedingt, welche der Umweltelemente zum Spiel gehören“, beschreibt Mäyrä.

Frans Mayra

Professor Frans Mäyrä sieht für die Spieleforschung eine helle Zukunft. Die ständige und schnelle Entwicklung der Spieleindustrie bedeutet auch wachsende Nachfrage nach einschlägiger Forschung.

Pervasive Spiele gibt es sehr verschiedener Art. So spricht man von pervasiven LARPs, Rollenspielen und virtuellen Wirklichkeitsspielen. Gemeinsam ist fast allen die Nutzung alltäglicher Kommunikationstechnologien wie Handy, Internet Bluetooth oder RFID-Lösungen.

„Ein gutes Beispiel für leicht zugängliches, d.h. auszuübendes pervasives Spielen ist das weltweit beliebte Geocaching (GPS-Schnitzeljagd), bei dem die Teilnehmer mit ihrem GPS-Empfänger weltweit nach Verstecken (Geocatches), deren Koordinaten bekannt sind, suchen.

Spielerbarometer gibt Aufschluss

Warum nun werden Games gespielt? Die Spiele setzten geistige Ressourcen frei. Man sagt ja, beim Spielen, gleich welcher Art, ist der Mensch am echtesten. Man entspannt sich beim Spielen und macht Erfahrungen in einer alternativen Welt, die keine wirkliche ist“, umreißt Mäyrä.
Das von Game Research Lab veröffentlichte Spielerbarometer 2009 berichtet über das Spielen von Games in Finnland. Laut der Untersuchung gehört die reichliche Hälfte der Finnen zur Schar der digitale Games aktiv, d.h. wenigstens einmal im Monat Spielenden. Das Durchschnittsalter dieser Aktiven liegt bei 33 Jahren.

Weniger als ein Drittel der Finnen spielen nie digitale Games, und dieser Personenkreis hat ein Durchschnittsalter von 57 Jahren. Das beliebteste digitale Spiel ist Patience am Computer. Herkömmliche nicht-digitale Spiele spielt fast jeder Finne irgendwann.

Die Finnen befassen sich wöchentlich durchschnittlich drei Stunden mit digitalen Spielen. Dieser Spaß kostet weniger als fünf Euro im Monat, und jährlich werden ein oder zwei neue Spiele angeschafft. Ein großer Teil der Finnen (über 40 Prozent) begnügt sich allerdings mit Gratisspielen im Internet.

Sonstige links

University of Tampere